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Eine Oper als Unterrichtsfach

Tremser-Teich-Schüler bearbeiten das Stück „Der Zwerg“, das im April Premiere feiert, auf verschiedenste Weise.

 

Von Sabine Risch (Artikel aus den Lübecker Nachrichten von 04. Februar 2014)

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Foto: Lübecker Nachrichten

 

Ein bisschen unsicher wirken die Achtklässler Jan, Timm und Sander noch, als sie die Bühne im Musikraum betreten und eine Szene aus der Zemlinsky-Oper „Der Zwerg“ als Rap vortragen. „In dieser Szene“, erklärt Sander (13), „sieht der Zwerg sich das erste Mal im Spiegel und erkennt, wie hässlich er aussieht“. Kein Wunder, dass die Jungs nervös sind, schließlich sind an diesem Morgen nicht nur Musiklehrer Ulrich Kubicki, Schulleiter Jörg Haltermann und Schul-Projektleiterin Elisabeth Rühe-Singelmann im Musikraum dabei. Nein, zum Publikum gehören unter anderem auch Operndirektorin Katharina Kost- Tolmein, Geigerin Daniela Dakaj, Bratschistin Elisabeth Fricker vom Philharmonischen Orchester der Hansestadt und Michael Haukohl, Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung. Doch alles geht gut, und für den Zwergen-Rap gibt’s viel Beifall.

„Oper macht Schule“ heißt das aktuelle Projekt der Haukohl-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Theater Lübeck und der Schule Tremser Teich, das über ein ganzes Schuljahr unterrichtsbegleitend stattfindet, und das sogar bei der Notengebung eine Rolle spielt. Die Idee stammt von Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein, der „schon länger so etwas vorschwebte“. Der spezielle Reiz: „Dass sich Oper dabei nicht nur über Musik und Tanz erschließt, sondern in allen Facetten.“ Was nicht von der Hand zu weisen ist: So erstellen Siebtklässler im Kunstunterricht Bühnenbilder, erarbeiten Neuntklässler im Deutschunterricht die Charaktere der Oper, die sie in Film und Interview vorstellen, schaffen Achtklässler im Englischunterricht Comics und lösen Sechstklässler im Matheunterricht Schätzaufgaben zum Werk und zum Theater.

In den erhalten die Schülerinnen und Schüler intensive Einblicke: Sie besuchen Proben, die Werkstätten und selbstverständlich die Premiere am 18. April. Und sie lernen Musiker kennen wie Daniela Dakaj (39) und Elisabeth Fricker (39), die über ihre Ausbildung, ihren Weg in den Beruf und den Arbeitsalltag sprechen und alle Fragen beantworten. Und die es sich nicht nehmen lassen, eine kleine Kostprobe ihres Könnens auf Geige und Bratsche zu geben – sie spielen Mozart. Für Michael Haukohl ist ein derartiges Projekt „absolutes Neuland“, für die: Schule am Tremser Teich ebenfalls. Denn Oper steht nicht auf dem Lehrplan im Fach Musik. Aber es treffe sich gut, freut sich Schulleiter Jörg Haltermann, denn die 40 Nachmittags-AGs hätten die Schwerpunkte Sport und Musik. „Das passte einfach gut, als Herr Haukohl an uns herantrat.“

Schüler in der Pubertät für eine Oper zu begeistern, die auf einem Märchen von Oscar Wilde basiert und von einem hässlichen Zwerg handelt, der sich in die Prinzessin verguckt, scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Zumal die Achtklässler angeben, eher auf Hip-Hop zu stehen. Jeder Schüler habe eine Projektwerkstatt gewählt, erklärt Musiklehrer Kubicki, dann das Libretto gelesen, dann zwei Szenen als Rap entwickelt. Das Ganze floss dann in die Halbjahres-Benotung ein. „Interessant“ findet Jennifer Luta (14) das Projekt, „gerade weil es anders ist als das, was ich sonst höre“. John Pisot (15), der sonst Schlagzeug, Keyboard und Gitarre spielt, spricht von einem „coolen Projekt“. Timm Wittfoth (14), der wie John in der Schulband spielt, die schon dreimal von Bürgermeister Bernd Saxe gebucht wurde, findet gut, „dass es mal etwas Neues in der Schule gibt“. Während die Musikgruppe von Ulrich Kubicki mit ihrem Projekt erst einmal durch sind, arbeiten andere Fächer noch die nächsten zwei Monate an ihren Beiträgen zur Oper. Proben müssen allerdings die Achtklässler auch noch das eine oder andere Mal, denn am 6. Mai präsentieren die Schüler vom Tremser Teich im Theater Lübeck ihre Projekte.